Visible Champions
Ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt über Corporate Design in deutschen Unternehmen
Konzept, Texte und Gestaltung: Ulrike Damm
Umsetzung: Damm und Lindlar, 2006
Die Ausstellung wurde in Berlin und St. Petersburg gezeigt


Der Wunsch nach Gruppenzugehörigkeit und der Hang nicht aufzufallen, scheinen
heute größer als der Wunsch nach Individualität. 
Der Ursprung muss in unserem sozialen, gesellschaftlichen Umfeld liegen.
Wir sehen so aus, wie wir aussehen, weil wir dazugehören, und nicht, weil wir
uns unterscheiden wollen. Gestaltung ist Spiegel unseres Denkens, unserer
Zeit. In der Ausstellung wird der visuelle Auftritt von 60 deutschen Unternehmen
aus unterschiedlichen Branchen analysiert. Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass die Marketingleute, die Designer, die Unternehmer seit Jahren einem kostspieligen Irrtum unterliegen, denn Differenzierung findet über Corporate Design kaum noch statt.
Um eine »routinierte Gestaltung« zu erreichen, sind Werte wie hoher Standard,
Verlässlichkeit, Perfektion wichtig. Wir wollten wissen, was dabei herauskommt,
wenn diese Werte die Gestaltung bestimmen.



In einer visuellen Strukturanalyse werden die Publikationen der Unternehmen

nach Farben, Flächenkennung und Branchen sortiert. Auf den monumentalen
Wandtafeln wird das große Einerlei sichtbar. Eine Differenzierung ist also entweder
nicht erwünscht, oder das Fehlen von Differenzierung wurde bisher nicht erkannt.
In jedem Fall ist das Corporate Design, wenn man es so betreibt wie bisher, nicht
mehr das richtige Medium, um Differenzierung herzustellen. Vielmehr entsteht
durch die Anwendung formaler Regeln das Gegenteil: Gleichmacherei.

Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, es macht Sinn, die Corporate-Design-Methodik zu verändern: nicht durch äußere Differenzierung, durch formale Elemente und Regeln, sondern durch die Beschreibung des inneren Kerns, der Identität, durch die Anwendung einer visuellen Sprache. 
 

 


 

Fazit
Differenzierung wird bewundert aber haben will sie keiner. Die Unternehmen geben
viel Geld für Marketingleute und Berater aus, damit sie irgendeinen Unterschied finden, den sie verkaufen können, aber eigentlich wollen sie nicht anders sein. 
Und wenn es da etwas Einzigartiges geben sollte, dann wird mit aller Marketingkraft in endlosen Workshops so lange Konsens erreicht, bis jeder Hauch einer Unebenheit glatt geredet wird. Profis zur Nivellierung von Eigenarten setzen sich zusammen und machen das, was alle wollen: gleich sein. Diesen Eindruck muss man gewinnen, denn inzwischen wird so viel über Marke und Produkte gesprochen, dass man Unterschiede auch kaum noch wahrnimmt. Die Diskussionsveranstaltung mit Jochen Boberg (Moderation), Hans Jürgen Warnecke, Andreas Pogoda, Phillip Bree und Ulrike Damm ergab, dass unser Leben dankenswerterweise noch aus anderen interessanten Aspekten besteht, über die es sich lohnt, zu sprechen: Die Menschen, die eine bestimmte Marke nutzen, das Umfeld, in dem diese Marke besteht, die Geschichte, die sie hat.
Dies zu erzählen ist manchmal eindrucksvoller. Herausgehoben aus dem üblichen Grundrauschen der Marketingaktivitäten macht es Sinn, diese eine Marke so zu platzieren, dass sie in ihrem kulturellen Zusammenhang gezeigt wird.

 


Katalog Visible Champions, pdf

Page-Artikel, pdf
Tagesspiegel-Artikel, pdf
Studie, pdf
RIP-Artikel, pdf
Konzept, pdf